Der Waldsee

Der Waldsee ist vor mehr als hundert Jahren durch Abgrabungen eines ehemaligen Fenns zwecks Grundwasserabsenkung im Rahmen der Bautätigkeiten in der Umgebung entstanden. Er hat eine Größe von etwa 2,5 ha bei einer Länge von ca. 530 Meter.

Der See dient als sogenannter Vorfluter für die regionale Straßenentwässerung rund um den See. Es gibt drei Regenwassereinleitstellen, durch die ein Einzugsgebiet von insgesamt ca. 61 ha in den Waldsee entwässert wird (Argentinische Allee 6 mit 35 ha Einzugsgebiet, Fischerhüttenstraße 86 a – 88 mit 17,9 ha und Goethestraße 15 – 17 mit 8 ha) sowie eine unterirdische Verbindung zum nördlich gelegenen Vierling, der seinerseits zur Aufnahme von Niederschlagsabläufen dient.

In trockenen Zeiten, wenn nicht in ausreichendem Maße Regenwasser zugeführt wird, erhält der Waldsee (und damit auch der Vierling) über eine Einleitstelle am Erdmann-Graeser-Weg zusätzliches Frischwasser aus dem Schlachtensee. Nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe sind dies jährlich zwischen 50.000 und 100.000 Kubikmeter. Das Pumpwerk am Wolfsschluchtgraben (Verbindungsstück zwischen Schlachtensee und Krumme Lanke) ist Wasserstand abhängig gesteuert: bei einem Wasserstand von 35,48 m+NN schaltet die Pumpe ein und bei 35,55 m+NN aus. Der normale Wasserstandpegel liegt zwischen 35,50 und 35,70 m+NN. Der Pegelstand wird elektronisch von den Berliner Wasser Betrieben überwacht.

Ein Anstauen des Wassers im Waldsee ist Ausnahmefällen für eine möglichst kurze Zeit bis 36,30 m über Null möglich (so steht es in den Grundbüchern der Anrainergrundstücke). Der Bezirk Zehlendorf ist beim Überschreiten dieses Wertes für ein Absenken des Wasserpegels verantwortlich. Der Waldsee verfügt zu diesem Zweck zwar über einen Entlastungskanal in den Schlachtensee, der allerdings seit 1988 auf Anweisung des Senats dauerhaft verschlossen wurde, um die gute Wasserqualität des Schlachtensees nicht zu beeinträchtigen. In den Jahren 2007 und 2017 kam es wegen starker Regenereignisse und fehlender automatischer Entlastung deshalb zu jeweils mehrwöchigen Hochwasserständen am Waldsee, die zu teilweise hohen Schäden an einigen Anliegergrundstücken und -häusern führten. In beiden Jahren hat das Bezirksamt zu spät und erst nach beharrlichem Druck durch die Anlieger reagiert und schließlich veranlasst, dass durch externe Pumpen  Wasser aus dem Waldsee in den Schlachtensee abgeleitet wurde.

Die Niederschläge gelangen ungereinigt in Waldsee und Vierling. Soweit es Vorreinigungsanlagen gibt (an der Einleitstelle Argentinische Allee sowie am Vierling), sind dies Absetzbecken in Form von Kammerbauwerken, die lediglich groben Dreck, Sand, Steine u. ä. auffangen, Feinsedimente und sonstige in Straßenabwässer enthaltene Schadstoffe werden nicht aufgefangen.

Noch einige rechtliche Parameter: Der Waldsee ist ein sog. Stehendes Gewässer 2. Ordnung. Gewässereigentümer ist das Land Berlin. Aufgrund der Aufgabenverlagerung der Zuständigkeiten für die stehenden Gewässer 2. Ordnung von der Senats- auf die Bezirksverwaltung ist seit dem 1. Januar 2001 das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf (Fachvermögen des Grünflächenamts) für die Unterhaltung des Waldsees zuständig. Zuständige Ordnungsbehörde für die Zulassung und Überwachung der Gewässerbenutzungen und damit die Einhaltung der Anforderungen an die Reinhaltung des Waldsees ist das Umweltamt Steglitz-Zehlendorf als untere Wasserbehörde. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) planen, bauen, betreiben, unterhalten und verwalten im Auftrag des Landes Berlin die Regenentwässerungsanlagen, d.h. sämtliche Einleitbauwerke inklusive Regenwasserbehandlungsanlagen und Auffangbecken. Grundlage hierfür ist der Rahmenvertrag über die Straßenentwässerung zwischen dem Land Berlin und den Berliner Wasserbetrieben vom 1. Juli 1999. Laut Rahmenvertrag liegt die Kostentragungspflicht für alle Maßnahmen der BWB beim Land Berlin.