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Entschlammung Mai 2026

Zwischenbericht

Wer macht`s?
Die Entschlammung wird von der Hamburger Firma Eggers Umwelttechnik durchgeführt, die sich seit 1991 auf Altlastensanierung, Renaturierung und in letzter Zeit auch auf die Entschlammung von Gewässern spezialisiert hat. 35 der insgesamt 850 Mitarbeiter der Eggers Gruppe arbeiten in der Berliner Niederlassung. Eggers hat in Berlin bereits den Obersee in Alt-Hohenschönhausen und den Wilhelmsruher See entschlammt. In beiden Seen wurde deutlich mehr Schlamm entnommen und aufbereitet, als am Waldsee, es stand aber auch viel mehr Platz zur Verfügung. Die Baustelleneinrichtung am Erdmann-Gräser-Weg stellte wegen des abschüssigen Geländes und der geringen Breite eine besondere Herausforderung für die Umwelttechniker dar.
 
Die Vorarbeiten:
Am 5. Dezember 2025 wurde der Beginn der Entschlammung durch eine Pressemitteilung des Bezirksamts angekündigt. Ab 8. Dezember wurden Weg und Park am Erdmann-Gräser-Weg mit dicken Erdschichten bedeckt, die den tonnenschweren Aufbereitungs-Anlagen standhalten sollen. Seither ist der Weg gesperrt und seit dem 22. Dezember erklärt ein Baustellenschild das Vorhaben. Da der See vom 28. Dezember 2025 bis Anfang März 2026 durchgehend von Eis bedeckt war, verzögerten sich die Vorarbeiten der Entschlammung. Auf der Baustelle konnte zwar noch im Januar ein Klärwerk aus Aktivkohle und Kiesfiltern errichtet werden und die Kampfmittelsuche im See erfolgte statt per Boot zu Fuß durch das Eis hindurch. Die Räumungsarbeiten (Schrott und Äste) mussten aber aufgeschoben werden, bis der See wieder eisfrei war. Am 16. März wurde das Amphibienfahrzeug „Amphi-King“ von der Fischerhüttenstraße aus in den See gefahren und zur Schrott- und Totholz-Bergung eingesetzt. 
 
Der Entschlammungsbereich im südlichen Waldsee ist seit Mitte März auf der Höhe der Insel durch einen an Fendern aufgehängten Plastikvorhang abgetrennt. Diese Art Spundwand verhindert, dass sich aufgewirbelte Schwebteilchen aus dem Entschlammungsbereich im ganzen See verteilen. Boote können den Vorhang an einer Stelle öffnen, um zu passieren. 

Abb 1- Rote Fender tragen den Vorhang, der den Entschlammungsbereich abteilt. Weiße Fender tragen die Schwimmleitung:

Entschlammung:

Seit Mitte April wühlt der „Amphi-King“ nun den Schlamm am Südende auf und saugt das Wasser/Schlamm-Gemisch (ca. 10 % Schlamm, 90% Wasser) über eine 250 m lange Schwimmleitung zum Erdmann-Gräser-Weg zur Aufbereitung. 

Abb 2- Der Amphi-King bei der Arbeit mit abgesenktem Saugrüssel (derzeit bis zu bis zu 1,8 m Tiefe) 

Abb 3- Der Amphi-King mit gehobenem Saugrüssel (vorne die Walze zum Schlamm-Aufgraben).

Am Erdmann-Gräser-Weg wird das Schlammwasser in einen 40 m3 großen Vorlage-Container gepumpt, von einem Rührwerk noch einmal kräftig durchgerührt (homogenisiert) und dann in einer sogenannten Siebbandpresse entwässert. Dazu wird dem Schlammwasser ein synthetisches Polymer zugesetzt, das wie ein „Soßenbinder“ die festen Bestandteile verklumpt. Zwischen zwei wasserdurchlässigen Membranen wird der Schlamm wie in einer „Wäschemangel“ ausgepresst, bis er am Ende als trockene kompakte Masse auf ein Förderband bröselt und von dort in Transportcontainern landet. 

Abb 4, 5 & 6 : Das Schlammwasser kommt im Vorhalte-Container an und wird in der Siebbandpresse aufgearbeitet

Abb 7 & 8-In der Siebbandpresse wird ein Polymer zugesetzt und verklumpt die Schlammbestandteile:

Überschüssiges Wasser wird durch Metallschieber nach unten durch eine permeable Membran abgepresst, während der zunehmend dickflüssige Brei auf dem Förderband weiterläuft. Von oben senkt sich eine zweite Membran auf den Brei und die Masse wird wie in einer Wäschemangel über mehrere Rollen weiter ausgepresst. Am Ende fallen Platten fast trockenen Schlamms auf ein Förderband, während die Membranen wieder nach oben und unten zurück in die Maschine laufen. 

Abb 9, 10 & 11 Auflage der zweiten Membran und das „Endprodukt“: getrockneter Sonderabfall 

Wasseraufbereitung im „Klärwerk“:

Das aus dem Schlamm gepresste Wasser wird in zwei Containern durch Ventilatoren mit Sauerstoff angereichert. Es wird dann über einen Aktivkohle- und zwei Kiesfilter gereinigt, bevor es unter der Erdmann-Gräser-Brücke in den See zurückgeleitet wird. 

Abb 12- Wasseraufbereitungsanlage bestehend aus Ventilations-Container (rechts), Aktivkohlefilter (hoher Behälter mittig) und zwei hintereinander geschaltete Kiesfilter (links)

Monitoring:

Sowohl dem getrockneten Sediment als auch dem Presswasser werden in regelmäßigen Abständen Proben entnommen und diese auf Schadstoffe analysiert. Das Sediment entspricht erwartungsgemäß „gefährlichem Abfall“ (>BMF3), der auf einer Deponie entsorgt werden muss. Die Qualitätsparameter des in der Kläranlage gereinigten Presswassers liegen bislang so, dass der Einleitung in den Waldsee nichts entgegen spricht. Die Menge verarbeiteten Wassers wird kontinuierlich gemessen und protokolliert. 

Die Firma Bioplan aus Rostock überwacht eventuelle Auswirkungen der Entschlammung auf die Wasserqualität des Waldsees. Dazu werden vor, während und nach der Entschlammung in beiden Teilen des Sees Wasserproben genommen und analysiert.

Ein kleine Nebenanlage:

Ein kleiner Teil des vom Amphi-King erzeugten Wasser/Schlammgemischs wurde direkt am Südende des Sees mit Polymer versetzt und in sogenannte GeoTubes gefüllt. Diese großen textilen Schläuche funktionieren wie „Kaffeefilter“: das Wasser läuft allein auf Grund der Schwerkraft aus den Säcken und sickert ungeklärt direkt zurück in den See, während die festen Schlammbestandteile im Sack hängen bleiben. Nach einigen Wochen können die Schläuche aufgeschnitten und der halbtrockene Schlamm auf der Deponie entsorgt werden. Das Verfahren ist preiswerter, bedarf allerdings viel Platz der am Waldsee nicht ausreichend vorhanden ist. 

Abb 13 Geotubes an der Argentinischen Allee

Was wurde bis Mitte Mai geschafft?

200 t Trocken-Sediment sind innerhalb von vier Wochen aus dem See geholt worden. Das entspricht etwa 2.000 t Wasser/Schlammgemisch, das vom Südende des Sees die Aufbereitung am Erdmann-Gräser-Weg durchlaufen hat. Nachdem der Betrieb inzwischen kontinuierlich läuft, rechnet Eggers damit die „Produktion“ auf 80 t pro Woche steigern zu können. 

10 Container mit getrocknetem Schlamm stehen zum Abtransport bereit – zum Teil ausgelagert am Südende des Sees an der Argentinischen Allee. Es gab einiges Hin und Her, welche Deponie für das unerwartet Biomasse-reiche Material geeignet ist. Nach erfolgter Genehmigung durch die Sonderabfallgesellschaft Berlin Brandenburg (SBB) soll das Material nun in den nächsten Tagen auf eine Deponie in Alt-Golm im Süd-Osten Berlins abgefahren werden (Stand 7. Mai 2026). 

Wie lange dauert die Entschlammung noch? 

Im Rahmen des Projekts sollten dem Waldsee 500 t entnommen werden. Es wird bis Ende Juni dauern, dieses Ziel annähernd zu erreichen. Da der Schlamm im See kompakter ist als angenommen, könnte es evtl. sinnvoll sein, das Ziel der Entschlammung zu erhöhen und die Arbeiten zu verlängern. Dies würde eine erneute Projekt-Ausschreibung erfordern. Das Bezirksamt wird demnächst darüber entscheiden. 

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